Sonntag, 13. November 2016

AUDRIE & DAISY - Kritik (2016)

Trivia

Originaltitel: Audrie & Daisy
Genre: Dokumentation
Laufzeit: 95 Minuten
Produktionsfirmen: Actual Films / Netflix
Produktionsland: USA
Erstausstrahlung: 23. September 2016
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 23. September 2016
Altersfreigabe: keine vorhanden. Selbsteinschätzung: ab 12 Jahre

Komponist: Tyler Strickland
Regisseure: Bonni Cohen, Jon Shenk

Personen: Daisy Coleman, Paige Parkhurst, Audrie Pott, Delaney Henderson, Melinda Coleman, Jim Fall, Darren White

Trailer: bit.ly/AaDTrailer

Kurzinhalt

Achtung! Da andere Menschen den Inhalt eines narrativen Mediums gerne selbst erleben wollen, auch bei Dokus, kennzeichne ich hiermit die ganze Kritik als Spoiler! Solltest du die folgenden Worte doch lesen wollen, empfehle ich Dir dennoch die Doku anzusehen.

Audrie und Daisy, die zwei Personen um die es in dieser Dokumentation geht, wurden nach alkoholischem Einfluss während einer Bewusstlosigkeit sexuell missbraucht. Zumindest erwarten die Angehörigen Gerechtigkeit gegenüber den Tätern. Doch dem ist nicht so. Audrie wollte deshalb nicht länger auf dieser Welt leben, weshalb sie an den Folgen ihres Suizidversuchs verstarb. Daisys Selbstmordversuch schlug fehl und kämpfte seitdem weiter. Als dieser Vorfall geschah, stand gefühlt jede Person aus der Stadt hinter ihr. Ein Jahr später glaubte ihr niemand mehr, da die Klage fallen gelassen wurde. Daraufhin wurde sie auch noch Opfer von Cyber-Mobbing, da ihre ganze Heimatstadt sie verpönte.

Die grausame Welt in der wir leben

Vorab möchte ich mich schon mal entschuldigen, dass ich einen sehr großen Teil dieser Dokumentation im Kurzinhalt gespoilert habe. Doch meiner Meinung nach kann ich diese Kritik eh nicht schreiben, wenn ich den Sachverhalt nicht genaustens schildere. Es kann zwar sein, dass der Inhalt in Dokus nicht immer zu hundert Prozent wahrheitsgetreu ist und man nicht immer alles glauben sollte, was einem erzählt wird, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass die Geschichte, die Audrie & Daisy erzählt, wahr ist.

Da ich des Öfteren auch Kritiken von anderen Menschen lese, habe ich bei den Userwertungen auf Netflix gelesen, dass ein Nutzer meinte, dass dieser Film schlecht sei, weil er angeblich schlechte Schnitte und eine plakative Darstellung besäße. Hier kann ich direkt mal widersprechen: der Schnitt ist völlig in Ordnung und in einer Dokumentation über das Mobbing eher zweit-, wenn sogar drittrangig. Allgemein spielt die visuelle Machart in solch' einer Art von Dokus eine nicht allzu große Rolle, denn darum geht es überhaupt nicht. Gezeigt wird der sexuelle Missbrauch und die Folgen davon, was wirklich harter Tobak sein kann. Insbesondere die Geschichte um Daisy trifft einen hart, denn wenn man Opfer eines sexuellen Missbrauchs ist, daraufhin noch von der Bevölkerung von Maryville als "Bitch", "Hure", "Lügnerin" oder "Schlampe" bezeichnet wird und auch noch den Tätern glaubt, zeigt das einem erneut, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben. Zudem haben Daisys und Audries Täter niemals eine Strafe erhalten, aufgrund der "mangelnden Beweislage". Die Täter sind die Söhne von mächtigen Leuten, die entweder eine große Firma leiten, in der Gemeinde oder Politik zuständig sind oder einen anderweitigen Posten besitzen. Ich kann es einfach nicht verstehen, wie es im 21. Jahrhundert immer noch nicht möglich ist, dass jeder Mensch die gleiche Berechtigung besitzt. Außerdem ist es für mich nicht verständlich, wie eine Person, die eine Vergewaltigung tätigt, nur eine Haftstrafe von maximal fünf Jahren bekommt und ein Steuerhinterzieher viel höhere Strafen erhalten kann. Man merkt einfach, dass der Gesellschaft das Geld viel wichtiger ist, als die Gesundheit eines Menschs oder gar eines Menschenlebens. Man kann wirklich von Glück sprechen, dass Daisy Coleman ihren damaligen Suizidversuch überlebt hat und aus Maryville weggezogen ist. Heute ist sie Tätowiererin und hilft auch anderen Menschen, die dieselben Erfahrungen durchleben mussten (Link zur Facebook-Seite befindet sich am Ende der Kritik!!). Vor allem sticht sie aber mit ihrem unglaublich starken Charakter heraus, denn sie ließ sich damals von den Mobbern nicht unterkriegen, was definitiv Respekt verdient hat! Gleichzeitig leidet man aber mit den betroffenen Personen mit und würde ihnen am liebsten helfen, egal in welch' einer Art. Ganz wichtig ist auch noch die Botschaft dahinter, die einem zum Nachdenken anregt. Es wird nämlich vermittelt, dass wenn man Opfer eines sexuellen Missbrauchs oder einer Vergewaltigung ist, das auf jeden Fall öffentlich machen sollte. Denn die Folgen können das Leben des Opfers und der Nahestehenden komplett zerstören. Desweiteren wird dem Zuschauer die bereits genannten Punkte vor Augen geführt, in welch' einer krankhaften Welt wir eigentlich leben. Darüber könnte ich auch einen eigenständigen Post schreiben, bei dem ich mich exzessiv mit der Thematik auseinandersetze, da ich eine ganz spezielle Ansicht darauf hege. Doch ich möchte nun nicht allzu sehr ausschweifen, denn das würde den Rahmen dieser Review sprengen. Einen Negativpunkt habe ich aber dann doch noch, und zwar hätte man nochmal auf die Beziehung zwischen Daisy und Paige eingehen können, da nicht klar ist, wie sie heute zueinander stehen. Das ist aber nicht der Hauptbestandteil des Films, weshalb dies nur minimale Auswirkungen auf meine Wertung hat.

Fazit

Audrie & Daisy ist eine unglaublich gute Dokumentation und sollte meiner Meinung nach im Laufe des Jahres noch viel öfters gesehen werden. Die Doku spiegelt das Erlebnis und die Folgen der betroffen Menschen wider und reflektiert damit unsere heutige Gesellschaft. Die Botschaft in dem Film ist ganz wichtig und sollte daher betroffene Personen und auch Täter zum Nachdenken anregen. Zudem gönne ich Daisy die Aufmerksamkeit die sie bekommt, da dadurch ihr Vorfall noch weiter verbreitet und damit auch bekannter wird.

Link: bit.ly/DaisySupport

Wertung: 8/10 Punkte