Sonntag, 4. Juni 2017

FIREWATCH - Spielkritik (2017)

Trivia

Originaltitel: Firewatch
Genre: Adventure, Indie, Walking Simulator
Entwickler: Campo Santo
Publisher: Campo Santo, Panic Inc.
Erstveröffentlichung: 9. Februar 2016
Verfügbare Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
Gespielte Plattform: PC
Spielzeit: 11 Stunden
Spielmodus: Singleplayer
Preis: 19,99€
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Offizielle Website: bit.ly/FIREWATCHOfficial
Steam-Website: bit.ly/FIREWATCHSteam
Trailer: bit.ly/FIREWATCHTrailer

Kurzinhalt

Es ist das Jahr 1989 und der Spieler schlüpft in die Rolle von Henry, der einen Job als Brandwächter in der Wildnis Wyomings annimmt und dort zurückgezogen von jeglicher Gesellschaft lebt. Sein einziger Kontakt zur Außenwelt ist eine Frau namens Delilah, die nur per Walkie-Talkie erreichbar und schon seit Jahren als Brandwächterin aktiv ist. Doch nach kurzer Zeit wird klar, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht, denn seitdem Henry für die Sicherheit seines Abteils zuständig ist, wird der idyllische Waldurlaub zu einem fesselnden Mysterium.

Ein Spaziergang in der Natur

Noch bevor ich dieses Spiel gestartet habe, habe ich schon einiges von Firewatch gehört. Und dies war (fast) immer von der positiven Seite aus. Deshalb hab' ich mir im vergangenen Winter Sale Firewatch, mitsamt sehr vielen anderen Spielen, für 11,99€ gekauft und diesem mich zuerst gewidmet. Dabei habe ich das Spiel nicht nur einfach gespielt, sondern auch auf Herz und Nieren getestet. Bei meiner Recherche nach Informationen bin ich auf die Erkenntnis gestoßen, dass das Spiel in Wahrheit an die Brände des Yellowstone-Nationalparks im Jahr 1988 in Wyoming angelehnt ist. Diese begannen dort mit vielen, kleinen Einzelbränden und gerieten mit heftigem Wind durch die umliegende Trockenheit rasch außer Kontrolle und verbanden sich in ein riesiges Lauffeuer, das über mehrere Monate in diesem Park wütete. Aufgrund der Gefahr schloss der Park erstmals am 08. September 1988. Schlussendlich konnte der Brand durch den Umschwung im späten Herbst auf ein kühleres, feuchteres Klima aufgehalten werden. Der Shoshone National Forest aus Firewatch basiert aber nicht auf den Yellowstone-Nationalpark, sondern auf den berühmt-berüchtigten Yosemite-Nationalpark.

Gleich zum Beginn möchte ich kurz darauf hinweisen, dass Firewatch ganz sicher kein Spiel für jedermann ist. Genauer gesagt, es entfernt sich sogar vom grauen Einheitsbrei, den gern die breite Masse spielt, was allein an der Genrerichtung "Walking Simulator" zu erkennen ist. Bereits einer meiner Freunde hat vor ca. einem Jahr Firewatch gekauft und nicht mal die ersten zwei Stunden des Spiels gespielt, bis er bei Steam schon wieder eine Rückerstattung beantragte. Man kann sich hier einfach kein Actionfeuerwerk oder ein rasantes Storytelling erwarten, denn dies bietet Firewatch mit Sicherheit nicht. Eher schreckt es einen Teil der Spielerschaft ab, weil das Spiel ein ziemlich minimalistisches Gameplay besitzt, das, wie sich nur unschwer aus der oben genannten Genrerichtung erkennen lässt, sich aufs' virtuelle Spazierengehen besinnt. Doch Campo Santos erstes Spiel ist mehr als das. Viel mehr ist Firewatch etwas für erwachsene und reife Leute, die etwas mit gelassenen Spielen anfangen können, wo sich die Zeit fürs' Storytelling genommen und ein angenehmes Erzähltempo einschlagen wird und gleichzeitig ernsthafte Themen aufgegriffen werden, wie zum Beispiel die Flucht vor der Realität. Es kommt zwar in der Videospielbranche vor, dass sich Spiele ernsthaften Themen widmen oder sogar ins philosophische abdriften, aber oftmals traut man sich nicht, diesen Weg zu gehen, weshalb man meistens die Innovation in Spielen im Indiebereich findet. Die bekannte Kernaussage sei nämlich, dass ein Spiel Spaß machen müsse, was größtenteils ja stimmt, wobei ich mir immer noch in diesem Medium viel mehr Tiefgang, Niveau und Innovation bezüglich der Story wünsche, was bei manchen Entwicklern nicht allgegenwärtig ist (übrigens könnte ich auch darüber mal einen eigenen Post schreiben, wenn ich nur nicht so viele Ideen hätte *hust* sagte er und ladet grade mal monatlich einen Beitrag hoch, während er immer wieder über diverse Vorhaben und Gedanken philosophiert *hust*). Firewatch umgeht dieses Problem geschickt und bietet neben einer packenden und intelligenten Handlung ein starkes Enviromental Storytelling. Wem dies nun kein Begriff sei, sei gesagt, dass der Kernpunkt im Enviromental Storytelling die Spielwelt ist. Diese rückt in den Vordergrund und präsentiert ihre eigenen Geschichten, die mal eindeutig zu verstehen sind oder ihren ganz eigenen Freiraum für Interpretationen lassen. Das Paradebeispiel hierfür ist wohl die Welt von Dark Souls, die ihre gesamte Geschichte auf diesem Wege erzählt. Firewatch kann mit dieser zwar nicht mithalten, aber dennoch ist der Shoshone National Forest mit reichlichen Elementen dieser Narration gespickt. Immer wieder findet man Gegenstände, über die man sich mit Delilah unterhalten kann, oder Notizen, die von den letzten Brandwächtern hinterlassen wurden. Auch einige interessante Orte sind zu finden, in die der Spieler seine Gedanken hinein interpretieren kann, und so ihre individuelle Geschichte erzählen. Außerdem entwickelt sich die Spielwelt weiter, was besonders daran erkennbar ist, dass nach gewissen Ereignissen die entsprechenden Auswirkungen zu sehen sind. Gleichzeitig fühlt man sich durch diesen Umstand für den Wald verantwortlich, wodurch man eine Bindung zu diesem aufbaut, zumal man langsam, aber sicher die Ecken des virtuellen Schauplatzes kennenlernt. Two Forks ist nämlich ein riesiges Areal, welches größtenteils während den Laufwegen frei begehbar ist. Leider findet man hin und wieder ein paar unsichtbare Wände, die nicht nur das Gebiet begrenzen, sondern teilweise auch vor kleinen Abhängen schützen, die normalerweise locker zu bewältigen wären. Darüber hinaus ist es wirklich schade, dass die Spielwelt so unbelebt bleibt, denn Tiere bekommt man kaum zu sehen. Hier hätte man definitiv etwas nachhelfen können, da ein Wald nun mal die verschiedensten Lebewesen beherbergt und so mehr Atmosphäre bieten würde. Aber auch ohne die Tiere im Wald kann die Atmosphäre für sich alleine stehen, die über die gesamte Spielzeit hinweg äußerst dicht und esoterisch ist. Selten habe ich ein solch' intensives Erlebnis in einem Computerspiel erlebt, wie ich es in Firewatch tat. Denn bei der Atmosphäre laufen einige Fäden zusammen, die neben einem weiteren Punkt praktisch die Hauptgründe sind, weshalb man dieses Spiel überhaupt erleben sollte. Dazu gehört auch der akustische Part, bei dem ein unglaublich dichter Klangteppich geboten wird, der immer wieder mal vom wunderschönen Soundtrack übertönt wird. Zwar kommt dieser für meinen Geschmack etwas zu kurz, wird aber mit einem gewissen Feingefühl eingearbeitet, der es beabsichtigt, die Klangkulisse den Vorrang zu geben. Und diese Entscheidung traf vollkommen ins Schwarze. Mit dem Sound schafft man es nämlich, einen tollen Spannungsbogen zu kreieren, der durch das Knacken von Ästen und dem Rascheln von Blättern immens in die Höhe steigt. Dies greift unmittelbar in die psychologische Ebene ein, wodurch automatisch ein beklemmendes Gefühl der Angespanntheit ausgelöst wird. Zusätzlich wird dieses Gefühl durch die dramaturgischen Höhepunkte der Handlung noch weiter verstärkt. Der Spieler wird anfangs per Texttafeln ins Geschehen eingeführt, wo er durch gewisse Entscheidungen die Vorgeschichte bestimmen darf. Schon diese wird emotional mit einer Dramaturgie erzählt und gleicht einer Kurzgeschichte, bevor Henry den Job als Brandwächter annimmt. Danach wird die Geschichte langsam aufgebaut und streut mit der Zeit immer mehr Mysterien hinein, bis das Spiel ihren Höhepunkt erreicht. Bis zu diesem Punkt werden einige Twists eingebaut, die für WTF-Momente verantwortlich sind. Leider ist anschließend die Luft raus, zumal es stetig bergab geht. Schuld daran ist ohne zu zweifeln die Auflösung des Mysteriums. Diese fällt mehr als ernüchternd aus und ich war praktisch enttäuscht vom Ende, vor allem da ich mir mehr erwartet habe. Wenige Fragen bleiben nach den Credits offen, die aber mehr in den Dialogen angesprochen werden, als dass sie in der eigentlichen Geschichte zu finden sind. Ist man aber so aufmerksam und nimmt diese zusammen, kristallisieren sich anschließend mehrere Optionen heraus, wie die Geschichte wirklich verlaufen sein könnte. Dabei würde man versuchen, von der eigentlichen Story abzulenken, während die erzählte Handlung als Schein getarnt ist. Denn immer wieder treten kleine Details auf, die man nur bemerkt, wenn man sich aufmerksam umschaut und zuhört, die gleichzeitig in einer ziemlichen Masse auftreten, was zur Folge hat, dass diese ganz sicher nicht willkürlich eingebaut wurden, sondern wohlüberlegt sind. Es könnte nämlich die Möglichkeit bestehen, dass Delilah viel tiefer in dieser Sache verstrickt ist, als man glauben mag. Aber dies sind lediglich Spekulationen, die von mir und der Spielerschaft ausgehen. Dennoch muss ich hier mal die Autoren für die Arbeit loben, die eine ausgezeichnete Geschichte schrieben, die sogar zwischen den Zeilen erzählt wird. So hat es Campo Santo geschafft, dass über ihr Spiel nicht nur während des Durchlaufs gesprochen wird, sondern auch nachdem man es durchgespielt hat. Während der Geschichte wird aber erst klar, wo die wahre Stärke des Spiels liegt, natürlich neben der Atmosphäre, weshalb man Firewatch gespielt haben sollte. Dieser Pluspunkt ist eindeutig der Dialog, der zwischen Henry und Delilah ausgeht. Das Dialogsystem ist nahezu gleich aufgebaut, wie das von den Spielen aus dem Hause Telltale Games. Der Spieler kann auf die verschiedensten Objekte und Ereignisse reagieren, indem er Delilah anfunkt. Danach hat man die Wahl zwischen einigen Optionen, die, je nach dem man sich entscheidet, den Gesprächsverlauf verändern. Beispielsweise kann sich der Spieler entscheiden, dass er gegenüber Delilah komplett offen ist, die Beziehung zwischen ihnen nur oberflächlich belässt und nur das Wichtigste erzählt oder sogar schweigt, woraufhin Delilah dementsprechend reagiert. Außerdem sind die Konversationen äußerst abwechslungsreich gehalten, da jede Menge Themen angesprochen werden. Mal gestalten sich die Diskussionen hitzig, sind mit Humor verbunden, tieftraurig, ziemlich oberflächlich oder äußerst tiefgründig. Dies, die Art wie kommuniziert wird, die Chemie zwischen den beiden hervorragenden Synchronsprechern und die fantastischen Dialoge sind die Gründe, weshalb mich das Spiel glauben lässt, dass das die lebendigsten, realitätsnahsten und besten Dialoge sind, die ich je in einem Videospiel gehört habe. Wäre ich nicht vor einem Computer gesessen und hätte die Gespräche zwischen den beiden Figuren belauscht, würde ich denken, dass sich gerade zwei echte Menschen unterhalten würden. Als kleine Randanmerkung sei noch zu erwähnen, dass das Spiel lediglich über eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln verfügt.

Ein weiterer Punkt, der ganz klar zu besprechen ist, ist die Grafik von Firewatch. Diese ist schlichtweg wunderschön und ziert mit einem einzigartigen Artdesign, der stark an Borderlands, Overwatch oder Team Fortress 2 erinnert. Je nach Tageszeit wird eine unterschiedliche Farbpalette ausgepackt, wodurch das Spiel sogar grafisch abwechslungsreich bleibt. Vor allem die Sonnenauf- und untergänge haben es mir schwer angetan, die insbesondere mit einem stimmungsvollen Lichtspiel daherkommen. Nicht selten gab es Momente, wo ich mir vom eigentlichen Spiel eine Auszeit gönnte und die wundervolle Darstellung der malerischen Natur genoss. Klar, Firewatch ist zwar in gewissen Maßen kein perfektes Spiel, aber die visuelle Präsentation des Werkes aus dem Hause Campo Santo ist pure Kunst. Überall wo man hinsieht, merkt man es der Schönheit des Spiels an, wodurch bestimmte Einstellungen wie ein Gemälde aussehen, die ich mir jederzeit an die Wand hängen würde. Und wenn ich schon bei Gemälde bin, kann ich gleich das sonderbare Fotofeature von Firewatch hervorheben. Es ist nämlich möglich, dass man Ingame per Fotoapparat einige Schnappschüsse festhalten kann. Klingt jetzt nicht allzu besonders, nicht wahr? Falsch gedacht. Während den Credits werden die geschossenen Fotos aufgelistet, die man sich über eine offizielle Website von Campo Santo bestellen kann. Diese werden dann vom Entwicklerstudio in Auftrag gegeben, gedruckt, verpackt und dir zugesendet. Um diese zu bekommen, muss man einen Geldbetrag von $15 bezahlen, woraufhin die Bilder innerhalb der nächsten Wochen in deinem Briefkasten zu finden sind. Da ich dieses Feature in geraumer Zeit ausnutzen möchte, kam es mir bei jedem einzelnen Foto vor, dass ich minutenlang an diesem bestimmten Schauplatz saß, damit ich das perfekte Foto schießen konnte. Ich bin nämlich der Meinung, dass gewisse Details wie Blätter, Nebel, Rauch, Vögel und Wasser sehr viel bewirken können. Und tatsächlich sind mir einige Kunststücke gelungen. Die einzigen Punkte, die im Bereich der Technik die Stimmung trüben, sind wohl einige matschige Texturen und vorkommende Bugs. Beide sind nicht so schlimm, wie man es denken mag, aber ich muss eben alles beleuchten, was mir an diesem Spiel gefallen hat und was nicht. Letzteres ist hin und wieder etwas ungut, da es in meinem Spielverlauf vorkam, dass ich durch manche umgestürzten Bäume hindurch laufen konnte, dass Bäume selten mal in der Luft schwebten oder ich durch den Boden in Hawk's Rest fiel, wo ich von dort aus nicht mehr ins Erdgeschoss gelangte. Um diese Kritik dennoch positiv abzuschließen, hebe ich noch die Funktion des freien Speicherns hervor, denn es ist nicht in allen Spielen gang und gäbe, frei zu speichern.

Fazit

Durch all diese Dinge, trotz seiner Schwächen, sog mich Firewatch praktisch in die Spielwelt hinein und ließ mich nur schwer wieder davon wegkommen. So passierte es schnell, dass ich statt den geplanten zwei Stunden plötzlich fünf Stunden am Stück im Shoshone Nationalpark verbrachte. Obwohl ich elf Stunden benötigte, damit ich dieses Spiel durchspielte, ist es keineswegs so lang, wie ich brauchte. Die Spielzeit beläuft sich viel mehr auf vier bis sechs Stunden, anstatt dass es in den zweistelligen Bereich abdriftet. Dies hängt nämlich damit zusammen, dass ich mir ausreichend Zeit genommen habe, um den virtuellen Schauplatz ausgiebig zu erkunden und ich immer wieder innegehalten habe, wobei ich die virtuelle Landschaft von Wyoming genoss. Dabei tut die gesamte, meisterhafte Präsentation ihr Übriges, bei der eine unglaubliche Atmosphäre entsteht, die ich selten so in einem Videospiel erlebt habe. Auch die Handlung versucht auf mehreren Metaebenen eine Geschichte zu erzählen, wo insbesondere die Dialoge und ihre Tiefgründigkeit herausstechen. Nach langen Überlegungen habe ich sogar beschlossen, dass ich dem Spiel einen Punkt mehr gebe, weil Firewatch, neben Pillars of Eternity, eines der besten Spiele ist, die ich seit langem gespielt habe. Ich kann wirklich nur empfehlen, dass man dieses Spiel ERLEBEN und sich nicht vor dem minimalistischen Gameplay abschrecken lassen sollte.

Wertung: 9/10 Punkte 

Freitag, 24. März 2017

THE REVENANT - Filmkritik (2017)

Trivia

Originaltitel: The Revenant
Genre: Abenteuer, Drama, Thriller, Western
Laufzeit: 151 Minuten
Filmstudio: 20th Century Fox
Produktionsländer: Argentinien, Kanada, USA
Erstausstrahlung: 16. Dezember 2015
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 06. Januar 2016
Altersfreigabe: FSK 16
Budget: 135 Millionen US-Dollar
Box Office: 533 Millionen US-Dollar

Director of Photography: Emmanuel Lubezki
Drehbuchautoren: Alejandro Gonzalez Inarritu, Mark L. Smith
Komponist: Ryuichi Sakamoto
Produzenten: Alejandro Gonzalez Inarritu, Arnon Milchan, James W. Skotchdopole, Keith Redmon, Mary Parent, Steve Golin
Regisseur: Alejandro Gonzalez Inarritu

Schauspieler: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Paul Anderson, Lukas Haas

Der Totgeglaubte: bit.ly/RevenantVorlage
Dokumentation zu The Revenant: bit.ly/RevenantDoku
Trailer: bit.ly/24hamKriechen

Kurzinhalt

Die Geschichte spielt im Jahr 1823 in den tiefen Wäldern und Gebirgsketten der Rocky Mountains, dessen Gebiet sich in den heutigen Bundesstaaten North Dakota und South Dakota befindet. Hugh Glass [Leonardo DiCaprio] ist ein sogenannter Trapper, also Fallensteller, und Späher seiner Expeditionsgruppe Rocky Mountains Fur Company, die, wie im Namen schon zu erkennen ist, in den Rocky Mountains nach hochwertigen Pelzen sucht. Eines Tages werden sie Opfer eines Angriffs des ortsansässigen Arikaree-Indianerstamms und werden stark dezimiert. Deshalb zieht sich der Expeditionstrupp ins Landesinnere zurück, während Hugh Glass als Späher vorausgeht, um die Gegend zu erkunden. Auf der Erkundungstour trifft der Trapper auf eine Bärenmutter, von der er angegriffen wird. Seine Begleiter finden Hugh in einem kleinen Graben und verarzten ihn, damit er überlebt. Der Trupp versucht den Späher zurück ins Fort zu bringen, scheitern aber an der kritischen Umgebung und Wetterlage. Drei Mitglieder bleiben zurück, um Hugh zu beschützen, verschwinden aber, als einer der drei einen Angriff der Indianer meldet und meint, dass der Trapper zum Scheitern verurteilt wäre. Doch Hugh Glass überlebt und möchte sich an seinen Mitstreitern rächen.

Überlebenskampf im 19. Jahrhundert

Vorab möchte ich kurz anmerken, dass es überhaupt keine gute Idee ist, sich The Revenant um 4:30 morgens anzusehen. Der Grund dafür ist, dass nicht nur mein Schlafrhythmus im Arsch war, sondern auch, weil der Film keine leichte Kost ist. Darauf komme ich aber erst im späteren Verlauf der Kritik zu sprechen. Eine absolute Empfehlung ist es, sich die Dokumentation "A World Unseen Documentary of The Revenant" vor oder nach dem Film anzusehen, da man in der Doku jede Menge Eindrücke des Films und den Gedankengängen von Alejandro Gonzalez Inarritu bekommt. Diese wird auf YouTube vom Kanal des Filmstudios "20th Century Fox" gratis zur Verfügung gestellt. Den Link findet ihr auch in der Triviasektion. Außerdem basiert der Film auf den Roman "Der Totgeglaubte" von Michael Punke, wozu ebenfalls ein Link in der Trivia zu finden ist.

Die Zeit des Western-Genres war in den 50er, 60er und 70er Jahren, bis es im Jahr 1977 fast größtenteils von der Bildfläche verschwand. Hin und wieder tauchte mal ein Film dieses Genres erneut auf, doch an große Erfolge wie "Spiel mir das Lied vom Tod", die "Dollar-Trilogie", "Leichen pflastern seinen Weg", "Die glorreichen Sieben" oder "Django" konnte man nicht mehr anknüpfen. Doch seit den 2000ern erlebt das Western-Genre durch Filme wie "No Country for Old Men", "There Will Be Blood", "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" oder "Todeszug nach Yuma" eine kleine Renaissance. Dieses Genre wird nun "Neo-Western" genannt, wie auch der Film Noir nun "Neo Noir" heißt, weil das "Neo" im Namen all die Filme kennzeichnet, die nach der Glanzzeit des jeweiligen Genres erscheinen. Doch auf die Geschichte verschiedenster Filmgenres möchte ich in diesem Post nicht eingehen, denn diese verdienen eindeutig eigene Beiträge. Viel mehr geht es darum, wann The Revenant spielt. Für gewöhnlich ist der Western zwischen 1860 und 1890 angesiedelt, wobei es auch hier Ausnahmen gibt wie Todesmelodie, der zweite Teil der Amerika-Trilogie von Meisterregisseur Sergio Leone, der im Jahr 1913 spielt. The Revenant hingegen spielt in den 1820ern, also vor der eigentlichen Zeit des Westerns.

Aber ich komme mal zum Film an sich zu sprechen. Das neuste Werk von Alejandro Gonzalez Inarritu besitzt einen wirklich hochkarätigen Cast. Darunter befinden sich namhafte Schauspieler wie Leonardo DiCaprio und Tom Hardy, die sowieso so gut wie jeder kennt, Domhnall Gleeson, der im selben Jahr im großartigen Sci-Fi Film Ex Machina zu sehen war, und Will Poulter, den man durch die Jugendbuchverfilmung Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth kennt. All diese Darsteller leisten in The Revenant eine hervorragende Arbeit. Leonardo DiCaprio spielt auf einem gewohnt hohem Niveau, aber ob er ausgerechnet für diese Rolle seinen ersten Oscar verdient hat, lässt sich streiten. DiCaprio meinte in einem Interview, dass die Rolle des Hugh Glass seine bisher schwierigste war, die ihn mehrfach an seine psychischen, sowie physischen Grenzen brachte. Vor allem ist Leonardo bekennender Vegetarier und konsumiert normalerweise kein Fleisch, aber das Büffelfleisch, das er im Film aß, war echt. Er hatte die Wahl, dass das Fleisch aus anderen Bestandteilen besteht, doch bestand er darauf ins rohe Fleisch zu beißen, damit seine Reaktion so authentisch wie möglich wirkt. Außerdem ist der Pferdekadaver, in den sich Leonardo im letzten Drittel des Films legt, um eine Nacht darin zu verbringen, ebenfalls real. Auch diverse Crewmitglieder gaben an, dass der Dreh von The Revenant die schlimmste Erfahrung ihres Lebens gewesen sei und dutzende Mitarbeiter hätten sogar aufgrund der brutalen Kälte den Job geschmissen. Damit lässt sich Inarritu mit Stanley Kubrick vergleichen, der ebenfalls stets von seinen Darstellern die bestmöglichste Arbeit verlangte und diese an ihre Grenzen brachte. Dennoch fand ich ihn persönlich in The Wolf of Wall Street oder Shutter Island besser und bereits dort hätte er seinen ersten Academy Award verdient gehabt, doch muss ich immer noch Filme wie Gilbert Grape oder Aviator nachholen. Fakt ist aber, dass das Filmjahr 2015 eher durchwachsen war und er somit die beste Leistung des Jahres hervorbrachte, zumindest im Bereich der Hauptdarsteller, weshalb der Oscar verdient ist. Auch Domhnall Gleeson überzeugt in seiner Rolle als Anführer der Gruppierung, was ich anfangs nicht gedacht hätte, denn kennengelernt hab ich ihn durch Ex Machina und dort hätte ich gedacht, er wäre zwischen 23 - 26 Jahre alt und nicht schon 31 - 32 (Zeit des Drehs/Veröffentlichung des Films, mittlerweile 33 Jahre alt). Doch am besten gefallen hat mir Tom Hardy, der DiCaprio locker an die Wand gespielt hat. Er verkörpert seine Rolle als rassistischer Psychopath dermaßen überzeugend und liefert hier eine beeindruckende Performance ab, weshalb seine Nominierung als Bester Nebendarsteller bei den Oscars 2016 absolut berechtigt war. Daraus resultieren dann zahlreiche Momente, welche sich wortwörtlich ins Gehirn brennen und die unvergessen bleiben. Besonders die Sequenz, in der Hugh Glass gemeinsam mit einem Indianer an einem Busch liegt und den Schnee isst, trotzt vor Emotionalität und war für mich als Zuschauer ein wahnsinnig schöner Augenblick, der mir für wenige Sekunden ein Lächeln auf die Lippen zauberte, da damit gezeigt wird, dass man auch die kleinen Dinge im Leben wertschätzen sollte, dass Menschen aus anderen Kulturen nicht immer schlecht sind und wie schön es eigentlich ist, nach einem Tief wieder mal das Gefühl der Glückseligkeit fühlen zu dürfen. Und dadurch hat man genau das geschafft, was in einem Film wohl das Allerwichtigste und die Hauptaufgabe jedes Regisseurs ist, nämlich, dass ein Film beim Zuschauer etwas auslöst, einen mitnimmt oder sogar zum Nachdenken anregt, genauer gesagt, der glaubwürdige Transport von Emotionen, die die Darsteller auf der Leinwand vermitteln. Ein Film kann ohne diese Thematik, und einem guten Drehbuch, eben kein guter Film sein, weil man dadurch keine Verbindung zum Zuschauer aufbaut, wodurch einem die ganze Idee dahinter egal ist oder die Figuren einfach irrelevant sind. Und diesen gravierenden Fehler machen dutzende Regisseure, weshalb mehr schlechte und mittelmäßige, als gute Filme existieren.

Die wichtigste Person in diesem Cast ist aber jemand, der sein Handwerk versteht und schon zwei Jahrzehnte lang Erfahrung im Filmbusiness besitzt, nämlich Emmanuel Lubezki. Viele werden diesen Namen wohl noch nie gehört haben, doch ist dieser Mann der erste Mensch, der drei Academy Awards in Folge gewann. Die Auszeichnungen erhielt er für seine Arbeit als Kameramann in Gravity, Birdman, der Film, den Inarritu vor The Revenant in die Kinos brachte, und eben The Revenant. Deshalb ist er auch in diesem Film der Director of Photography, und legt in The Revenant eine Meisterleistung dahin. Denn visuell ist der Film ein waschechtes Meisterwerk. Selten hab ich eine solch' überragende Kameraarbeit gesehen. Vor allem besticht er durch eine atemberaubende Bildgewalt, die diesen Film erst zum Epos macht. Überwiegend werden Plansequenzen verwendet, also Szenen, die ohne jeglichen Schnitt auskommen und in einem Take aufgenommen werden. Und solche Szenen sind nicht nur aufwändig, sondern auch verdammt komplex zu filmen. Denn jeder Darsteller, jeder Komparse und auch der Kameramann selbst muss dadurch in den Aufnahmen eine feste Choreographie einhalten, damit diese Szenen überhaupt funktionieren. Nicht selten fragt man sich dabei, wie es Lubezki wohl gelungen ist, diese Sequenzen aufzunehmen. Vor allem verwandelt sich die Kamera durch dieses Vorgehen in eine eigenständige Figur. Zu bemerken ist dies, wenn Leonardo DiCaprio in die Kamera haucht oder Blut auf die Linse spritzt. Damit möchte man ein Mittendrin-Gefühl bewirken, ohne dass das nervige Stilmittel der Wackelkamera im Film ihre Verwendung findet und signalisiert, dass man selbst statt der Kamera mitwirkt. Um aber noch weiter auf die Bildsprache einzugehen: oftmals werden diverse Shots verwendet, in denen der Protagonist mitsamt der schneebedeckten Landschaft zu sehen ist. Diese Aufnahmen haben es aber nicht einfach so in den fertigen Film geschafft, sondern haben tatsächlich eine etwas tiefere Bedeutung. Denn dadurch möchte man dem Zuschauer vermitteln, wie verloren Hugh Glass in dieser schier unendlichen, rauen und vor allem brutalen Natur überhaupt ist und zeigt zugleich, wie unberührt die Umgebung der Rocky Mountains in der damaligen Zeit war. Ebenfalls interessant ist, dass der Film mit der Arri Alexa 65 gedreht wurde, die eine digitale 6K-Kamera mit einem 65mm Sensor ist, und zu diesem Zeitpunkt brandneu war, da es während des Drehs nicht mal ein Dutzend dieses Geräts auf der Welt gab. Ich erwähne dies, weil der analoge Film immer noch existent ist und gewisse Regisseure wie Quentin Tarantino oder Christopher Nolan dem Format die Treue schwören. Dies könnte nämlich ein weiterer Schritt zur Modernisierung im Bereich des Films gewesen sein, da es allmählich passieren könnte, dass analoge Kameras langsam von der Bildfläche verschwinden. Desweiteren wurde der Film nur an naturalen Schauplätzen gedreht, was bedeutet, dass der Greenscreen keine Anwendung in The Revenant findet. Auch CGI findet im Film kaum Platz, denn man setzte viel mehr auf die Realität, weshalb die Computereffekte nur dann benutzt wurden, wenn es absolut nötig war, wie zum Beispiel beim Bärenangriff. Und damit gehe ich noch einmal auf die Drehbedingungen ein, und ja, ich weiß, ich habe bereits viel dazu gesagt, aber ich muss darauf nochmal Stellung nehmen, da es sich mit dem vorletzten Punkt vollkommen erschließt und ich somit diese Thematik abgeschlossen hätte, um wirklich die gesamte Angelegenheit auf den Tisch zu legen und diese mehr als positiv hervorhebe. Denn der Großteil des Films wurde in Kanada gedreht, jedoch wurde das Projekt im Laufe des Drehs auf Eis gelegt, da die Wetterverhältnisse viel zu warm waren und ihnen der Schnee weg geschmolzen ist. Monatelang später setzte man die Produktion fort und verlagerte den Drehort nach Argentinien. Zudem wurde The Revenant ausschließlich mit natürlichem Licht gedreht, worunter man die Sonne und das Feuer versteht, und verzichtete beinhart auf jegliche künstliche Lichtquellen, um auch dabei die Authentizität zu bewahren, wobei man nur 90 Minuten am Tag Zeit hatte zu filmen, da sich in dieser Zeitspanne die Lichtverhältnisse nicht veränderten. Daraus ergibt sich dann ein wunderschönes Lichtspiel, dessen Qualität ich wohl nur sehr selten je in einem anderen Film oder einer Serie gesehen habe. Daneben muss ich genauso den Detailreichtum erwähnen, denn es wurde jede Menge mit Liebe zum Detail gearbeitet, was sich insbesondere im Handwerk, den Kostümen, Kulissen und Requisiten widerspiegelt. Besonders sticht hierbei aber das Make-Up heraus, das unglaublich authentisch und hässlich aussieht, also im positiven Sinne, denn wenn man mal die Wunden am Körper von Hugh Glass ansieht, sehen diese schon wahnsinnig realitätsnah aus. Daraus resultiert eine dementsprechend hochwertige Production Value, die man im Film bei einem Budget von 135.000.000 US-Dollar deutlich zu sehen bekommt und sich nicht zu verstecken braucht. Was sich aber im Film eher versteckt hält, ist die wundervolle Musik vom Komponisten Ryuichi Sakamoto, die mit einer gewissen Subtilität eingearbeitet wurde und sich eher in den Hintergrund drängt. Diese lässt nämlich viel mehr den Klangteppich den Vortritt, der mit einem hinreißenden Feingefühl aufgenommen wurde, denn immer wieder hört man die detailreichen Geräusche der Natur und verliert sich praktisch darin. Außerdem sind die Actionsequenzen erstklassig inszeniert, bleiben dabei auch stets übersichtlich und ausschweifend, wodurch man sich an diesen Szenen kaum satt sehen kann. Hier möchte ich aber nochmal auf die bereits erwähnte Choreographie verweisen, die ich bereits bei der Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki angesprochen habe, da dies ja immerhin auch ein Bestandteil der Kampfszenen ist. Dazu ist in diesen Szenen die dazugehörige Brutalität ungeschnitten, wie es sich eben gehört, und verleiht so The Revenant mitsamt den gegebenen Umständen eine gewisse Härte. Zusammen gebündelt aus den letzten paar Punkten resultiert eine ausgesprochen intensive und dichte Atmosphäre, die besonders durch ihre außerordentliche Rauheit und Brutalität besticht. Deshalb meinte ich vorhin auch, dass The Revenant keine leichte Kost wäre und man sich schon in einem passenden Gemütszustand befinden sollte, wenn man sich diesen Film ansieht. Einen Negativpunkt hab ich dann aber doch zu vermerken, und zwar in der Handlung. The Revenants Geschichte basiert tatsächlich auf eine wahre Begebenheit und ist fest in der amerikanischen Folklore verankert. Die hundertprozentig wahre Überlieferung bietet The Revenant aber nicht. Dies ist aber nicht als Negativpunkt aufzunehmen, sondern viel mehr als eine Information. Der Film driftet nämlich etwas in die Fiktion ab und dichtet einige Sachen hinzu, die so nicht wahr sind, wie beispielsweise Hugh Glass' Sohn, denn der Trapper hatte in Wirklichkeit keine Kinder, oder die gesamte Rachegeschichte, da dafür keine belegbaren Überlieferungen existieren, sondern nur Spekulationen sind. Damit ist The Revenant viel eher eine Eigeninterpretation der damalig geschehenen Ereignisse und will gleichzeitig den Vorfall bekannter machen. Der genannte Negativpunkt liegt aber in der zweiten Hälfte des Films, da dieser Teil des Drehbuchs etwas schwächelt und ein paar Makel beherbergt. Außerdem kann ich es verstehen, wenn man mit diesem Film nicht gerade warm wird, weil einerseits sind 151 Minuten ganz schön viel Zeit und andererseits fällt das Erzähltempo ein bisschen langsam aus. Davon fühlte ich mich aber nicht wirklich gestört, da ich nun mal auch mit etwas langsamer erzählten Geschichten gut klar komme. Ansonsten bleibt noch zu erwähnen, dass man über die gesamte Laufzeit hinweg nicht gerade mit Gesellschaftskritik spart, was daran zu erkennen ist, dass sich die Europäer den amerikanischen Grund von den Indianern unter die Nägel rissen oder der bereits vorhandene Kapitalismus, der sich dementsprechend aufs Land auswirkt. Enden tut das Ganze mit einer aussagekräftigen Botschaft, nämlich, dass man solange weiterkämpfen sollte, solang die Möglichkeit besteht.

Fazit

The Revenant ist, ums kurz zu fassen, schlichtweg ein großartiger Film. Die Bildgewalt sieht man nicht alle Tage in den Kinos und gehört zu den besten, die ich je gesehen habe. Das Schauspiel ist insgesamt fantastisch, denn alle Darsteller verkörpern ihre Rollen außerordentlich glaubwürdig. Außerdem fährt der Film eine unglaubliche Detailtreue auf, zumindest im visuellen Aspekt, die meiner Meinung nach in jedem historisch angehauchten Film ein Standard sein sollte. Der größte Pluspunkt geht für mich neben der Kameraarbeit aber ganz klar an den Arbeitsaufwand. Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich mit natürlichen Mitteln zu drehen, da die meisten Filme der heutigen Zeit eher einem CGI-Massaker gleichen. Da ist es eine angenehme Abwechslung, dass Regisseure wie Inarritu ihre Effekte handwerklich ausarbeiten und auf den Greenscreen verzichten. Lediglich das Drehbuch der zweiten Hälfte ist verbesserungswürdig, wobei dies nun nicht allzu schwer ins Gewicht fällt. Dennoch habe ich überlegt, ob ich dem Film nun die Höchstwertung geben soll oder nicht. Schlussendlich habe ich mich dagegen entschieden, da The Revenant nun mal nicht an gewisse Klassiker rankommt.

Wertung: 9/10 Punkte

Sonntag, 19. Februar 2017

SILICON VALLEY Staffel 1 - Kritik (2017)

Trivia

Originaltitel: Silicon Valley
Genre: Drama, Komödie, Satire
Anzahl der Episoden: 8
Laufzeit: ca. 219 Minuten
Verleiher: HBO Entertainment, Home Box Office
Produktionsfirmen: 3 Arts Entertainment, Judgemental Films Inc., Scott Rudin Productions
Produktionsland: USA
Erstausstrahlung: 06. April 2014
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 12. November 2014
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Drehbuch: Mike JudgeJohn AltschulerDave KrinskyAlec BergCarson MellMatteo BorgheseRob TurbovskyRon WeinerJessica GaoDam O' KeefeClay Tarver
Produzenten: Dave KrinskyJohn AltschulerMike Judge
Regisseure: Mike Judge (4x), Alec Berg (2x), Maggie Carey (1x), Tricia Brock (1x)

Schauspieler: Thomas MiddleditchT. J. MillerZach WoodsMartin StarrKumail NanjianiAmanda CrewMatt RossChristopher Evan Welch (), Josh Brener

Trailer: bit.ly/SiliconValleyS1Trailer

Kurzinhalt

Die Serie "Silicon Valley" spielt sich in der gleichnamigen IT-Industrie ab. Richard [Thomas Middleditch] ist Softwareentwickler und Besitzer seiner App "Pied Piper", der gemeinsam mit seinen Freunden Big Head [Josh Brener], Gilfoyle [Martin Starr], Dinesh [Kumail Nanjiani] und Erlich [T. J. Miller] in einer WG wohnt, wobei Erlich der Besitzer des Hauses ist. Alle dürfen mietfrei bei ihm wohnen, im Gegenzug erhält er aber zehn Prozent Anteil an all ihrer Geschäftsideen. Jedenfalls ist Richards App einzigartig, da sie große Daten ohne Qualitätsverlust schnell komprimieren kann. Dabei hat Richard eigentlich gar keinen Plan was er da überhaupt im Besitz hat, bis Peter Gregory [Christopher Evan Welch] und Gavin Belson [Matt Ross] auf die Erfindung aufmerksam werden. Beide bieten ihm unterschiedliche Angebote, woraufhin sich Richard schlussendlich für Peter Gregory entscheidet, weil er im Gegensatz zu Gavin seine Entdeckung nicht abkaufen möchte, sondern lediglich unterstützen. Richard baut gemeinsam mit seinen Freunden eine Firma auf und möchte mit ihnen das Produkt weiterhin in Angriff nehmen. Gavin hingegen rivalisiert mit seinem Unternehmen die Firma und baut daraufhin ein Konkurrenzprodukt auf.

Wir machen die Welt zu einem besseren Ort!

Bei nicht vielen Sendern ist es so, dass fast jede Serie gut ist. Für mich gibt es aber ein paar Erfolgsgaranten, bei denen wirklich jede Serie empfehlenswert wäre. Einer von diesen ist der amerikanische Fernsehprogrammanbieter HBO. Bei all den Produkten, wo "HBO" draufsteht, kann schon mal nicht viel falsch gemacht worden sein. So steht es auch um die Comedy-Serie "Silicon Valley". Regisseur Mike Judge ist kein unbeschriebenes Blatt, denn zu seinen berühmtesten Werken gehört die Animationsserie Beavis and Butt-Head und die Komödie Idiocracy. Gleich zu Beginn muss ich sagen, dass das Intro in gewisser Hinsicht etwas Spezielles hat, da es mich jedes Mal an ein Videospiel erinnert, genauer gesagt, an eine Aufbausimulation. Man sieht in einem Gebäudeblock, wo viele namhafte Unternehmen stationiert sind, wie sich langsam eine Struktur aufbaut, wo schlussendlich der Schriftzug "Silicon Valley" zu sehen ist. Obwohl das Intro nicht wirklich mit Kalibern wie Game of Thrones oder True Detective vergleichbar ist, gehört es meiner Meinung nach durch seine Schlichtheit und Innovation zu den besten Startsequenzen, die ich je gesehen habe.

Besonders in bestimmten Themenbereichen wie der Wirtschaft, Wissenschaft oder Technologie kann es in narrativen Erzählungen passieren, dass man mit Techno-Babble nur so um sich wirft. Also Wörtern, die in bestimmten Themengebieten zu finden sind und man damit den Eindruck erwecken möchte, dass ein scheinbar anspruchsvolles Gespräch im Gange ist. Das ist in Silicon Valley nicht der Fall. Zwar sind in den Dialogen immer wieder bestimmte Wörter zu hören, die für Außenstehende nicht klar definierbar sind, jedoch sind die Gespräche stets getreulich und wirken natürlich. Allerdings sind wenige Dinge trotzdem frei erfunden, um die Handlung voranzutreiben, was aber nicht weiter schlimm ist, da es einem nicht wirklich stört. Außerdem werden die Handlungen und Dialoge für den Zuschauer nicht extra heruntergedummt, wodurch man dazu gezwungen ist mitzudenken. Ein roter Faden ist über die ganze Staffel hinweg ebenfalls gesetzt.

In Silicon Valley gibt es wirklich viele unterschiedliche Figuren. Es gibt kompetente Geschäftsmänner, Visionäre, talentierte Entwickler mit Erfindungsgabe und viele mehr. Doch eine Art von Figur ist in der Serie am meisten vertreten: der sozial inkompetente Nerd. Und alle die sich jetzt darauf ein Urteil machen, dass dies in Richtung The Big Bang Theory geht oder diese Art von Figur dermaßen klischeebeladen sei, dem kann ich raten, sich erstmal selbst ein Bild davon zu machen. Der zweite Punkt mag zwar etwas zutreffen, jedoch sind die Figuren gleichzeitig derart skurril und abwechslungsreich, dass sie zugleich perfekt zusammenpassen, aber dennoch verschieden wie Tag und Nacht sind. Hinzu kommt das fantastische Schauspiel der einzelnen Darsteller, was den Figuren noch eine zusätzliche Authentizität verleiht. Durch diese unterschiedlichen Charakterzüge kommt genauso der komödiantische Bereich zuteil, weshalb ich nun zum erstgenannten Punkt zurückkomme. In einer Episode The Big Bang Theory gibt es eine Vielzahl an Gags. Silicon Valley hingegen hat eher einzelne Gags pointiert eingebaut und hat dadurch eine wesentlich niedrigere Gag-Rate, dafür zündet aber fast jeder und bringt einem zum Lachen. Hier und da gibt es auch mal einen Seitenhieb in Richtung berühmter Firmen wie Apple oder Microsoft, weshalb die Serie sogar satirische Elemente aufweist. Aber besonders die absurden Situationen machen den Humor der Serie aus. An einer Stelle habe ich mich dermaßen kaputtgelacht, dass mir schwarz vor Augen und schwindelig wurde, was ich der Serie aber definitiv zugute halte.

Fazit

Silicon Valley besitzt, obwohl es eine Comedy-Serie ist, ein ausgezeichnetes, intellektuelles Drehbuch, wo man als Zuschauer aktiv bei der Sache sein muss und aufpassen sollte. Die Figuren besitzen zwar die ein oder andere stereotypische Eigenschaft, jedoch gelingt es den Autoren aus ihnen abwechslungsreiche und unterhaltsame Charakterbilder zu machen. Durch den Humor amüsiert man sich bei der Serie köstlichst und ich kann deshalb für die erste Staffel von Silicon Valley eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen!

Wertung: 9/10 Punkte

Sonntag, 12. Februar 2017

RoysKritiken - Eine minimale Veränderung (2017)

Herzlich willkommen zu einem etwas anderen Post! Heute geht es mal um kein narratives Medium, sondern viel mehr um eine kleine, aber feine Umstellung. Wie wohl jeder Leser wissen mag, wird er darüber im Klaren sein, dass ich stets vier Blogs besaß, die sich jeweils auf ein Thema spezialisierten. Darunter waren der Buch-, Film-, Gaming-, und Serienblog, die allesamt getrennt von einander geführt wurden. Dadurch herrschte mehr oder weniger ein kleines Chaos auf meinen Blogs, wodurch man schnell mal den Überblick verlieren konnte. Und auch mir gefiel das nicht. Deshalb kam ich zum Entschluss, dass ich all diese Blogs fusioniere und den "Filmblog" nun als Zentrum verwende, bei dem ich auch den Namen in "RoysKritiken" umbenannt habe. Trotzdem werden weiterhin sämtliche alte Einträge online und einsehbar bleiben, dessen Verlinkungen man im rechten Header finden kann. Der erste Eintrag nach der Fusionierung erscheint bereits in der kommenden Woche. Wann ich dann aber weitere Posts veröffentliche, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen, lediglich, dass ich das Ganze weiterhin nur dann betreibe, wenn ich auch wirklich Zeit und Spaß daran habe. Ansonsten wünsche ich dir noch ein schönen und erholsamen Sonntag und einen energiegeladenen Start in die neue Woche.