Originaltitel: Terraria
Genre: Abenteuer, Indie, Sandbox, Survival
Entwickler: Re-Logic
Publisher: Re-Logic
Erstveröffentlichung: 16. Mai 2011
Verfügbare Plattformen: Nintendo 3Ds, PC, PlayStation 3, PlayStation 4, PlayStation Vita, Xbox 360, Xbox One, Wii U
Gespielte Plattform: PC
Spielzeit: ca. 80 Stunden
Spielmodus: Singleplayer, Coop, Multiplayer
Preis: 9,99€
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Offizielle Website: https://terraria.org/
Steam-Website: http://bit.ly/TerrariaSteam
Trailer: http://bit.ly/TheManWithTheYoYoTrailer
Kurzinhalt
In Terraria startet man in einer prozedural generierten Welt, in der man mehr oder weniger das machen kann, was man will. Zu Beginn steht dem Spieler ein Repertoire an Kupferwerkzeugen zur Verfügung, wobei man schnellstmöglichst die nächsten Ressourcen sucht, damit die eigene Ausrüstung verbessert wird. Ziel des Spiels ist es, die Bosse dieser Welt zu besiegen.
Terraria - ein Minecraft Klon in 2D?
Seit dem Release von Terraria hat das Spiel von Re-Logic mit zahlreichen Kommentaren von Leuten zu kämpfen, die meinen, dass Terraria ein Abklatsch des berühmt-berüchtigten Minecrafts sei. Natürlich stellt sich nun die Frage, ob dies der Wahrheit entspricht. Meine Antwort dazu lautet: Nein. Terraria ist viel mehr als ein billiger Klon von Minecraft. Das Spiel hat zwar einige Parallelen zu seinem geistigen Vorbild, besitzt jedoch eine eigene Identität. Und darüber bin ich mehr als erleichtert, zumal schon genug Spiele existieren, die durch den damaligen Hype von Minecraft entstanden sind (erwähnenswert wären hierbei unter anderem Ace of Spades, Brick-Force oder Cube World). Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass Terraria das wesentlich bessere Spiel ist, als Notchs Magnum Opus. Und dies werde ich nun auch in den weiteren Absätzen genaustens erklären.
Ich fange einfach mal von ganz vorne mit meinen persönlichen Erfahrungen an. Vor nun ungefähr viereinhalb Jahren ist der Punkt gekommen, wo ich von Konsolen, bei Third-Party Titeln versteht sich, die Nase voll hatte. Wieso sollte ich weiterhin auf ein leistungsschwächeres Gerät zurückgreifen, wenn ich auch auf einem PC spielen kann, der mir zahlreiche Vorteile verschafft? Schließlich erstellte ich mir zum Summer Sale 2013 einen Steam-Account, bei dem ich zugleich mein erstes Spiel für schlappe 4,99€ ergatterte. Dieses Spiel war Terraria. Der Anlass für den Kauf war der Coop-Modus, da ein Kumpel und ich schon seit längerer Zeit nach einem Spiel suchten, welches man zu zweit spielen kann. Direkt nachdem wir das Spiel zum ersten Mal durch hatten, verliebte ich mich in Terraria. Und auch drei weitere Runs und 223 Spielstunden später ist diese Liebe weiterhin ungebrochen. Zu meiner Begeisterung muss ich sagen, dass sie sogar noch viel stärker geworden ist.
Beim vierten Spieldurchlauf daddelte ich das Game mit meinem besten Freund, der das Spiel vor Jahren lediglich antestete. Man kann nun zwar behaupten, dass ich das Spiel mittlerweile in- und auswendig kenne und dass es langsam langweilig werden müsste, jedoch muss ich diese These direkt zerschlagen. Auch bei meiner letzten Session lernte ich jede Menge neues Zeug kennen, das ich zuvor noch gar nicht kannte. Grund dafür ist, dass Re-Logic nach sechs Jahren immer noch Patches mit neuen Inhalten veröffentlicht, wodurch das Spiel laufend erweitert wird (und das gratis!). Zudem war der Faktor ziemlich aufregend, dass ich meinen Spielpartner durch das Abenteuer der 2D-Welt begleitete, der keine Ahnung von irgendwas hatte. Zu diesem Zeitpunkt fiel mir wieder mal auf, wie schwer der Einstieg überhaupt ist. Man wird anfangs praktisch ins kalte Wasser geworfen, wodurch Neueinsteiger schnell das Gefühl haben könnten, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen. Für diesen Fall lege ich jeden Spieler die Terraria-Wiki zu Herzen, zumal man damit wesentlich besser im Spiel zurecht kommen wird. Denn an der Seite des Spielers steht lediglich ein Guide, der einen nur grob erklärt, welche Items man für Craftingrezepte benötigt, und ein paar Kupferwerkzeuge, die dazu da sind, um das nächstbeste Material zu farmen, zur Verfügung. Sollte man dieser Tätigkeit nicht schleunigst nach kommen, bekommt man relativ schnell den knackigen Schwierigkeitsgrad zu spüren. Anfangs stellt sich noch jeder Kampf gegen einen Slime als ein Krampf heraus, die aber mit ihrem Gel eine äußerst nützliche Ressource besitzen. Spätestens beim ersten Nachtwechsel merkt man dann, wie schwer das Spiel eigentlich ist, wenn dutzende Zombies vor der Tür des ersten provisorischen Hauses lauern und einen belagern. Hat man aber seine ersten Farmsessions abgeschlossen und besitzt bereits bessere Waffen und Rüstungsteile, gestalten sich die Kämpfe gegen gewöhnliche Mobs einfacher. Wer jedoch denkt, dass das Spiel von nun an anspruchsloser wird, irrt sich dabei gewaltig. Der Schwierigkeitsgrad bleibt über den gesamten Spielverlauf schön fordernd und verlangt bei Bosskämpfen taktisches Verständnis. Zumal verfügt jedes Bossmonster über seine eigenen Stärken und Schwächen, die sich ziemlich gravierend im Kampf auswirken können, wenn man nicht gerade weiß, wo diese liegen. Außerdem wird ab der Hälfte des Spiels der Schwierigkeitsgrad nochmal ordentlich angezogen, in dem neue Mobs auftauchen, die es teils wirklich in sich haben. Zu diesem Zeitpunkt kommt es einem so vor, als wäre man wieder ganz am Anfang gelandet, wo die Herausforderung praktisch hinter jeder Ecke wartet.
Wenn Neueinsteiger noch irgendwo überfordert sein dürften, dann wohl beim bisherigen Umfang. Dass das Spiel laufend erweitert wird, habe ich bereits erwähnt. Darüber, wie umfangreich Terraria in Wirklichkeit ist, habe ich noch kein einziges Wort verloren. Gleich mal vorweg: Terraria ist sowohl für Entdecker, als auch kreative Köpfe geeignet, wobei zweitere durch die 2D-Grafik etwas zu kurz kommen dürften. Der Spieler kann nahezu 4000 Items entdecken und 14 Bosse besiegen, wobei ich hier die Eventbosse nicht mal mitgezählt habe, und dennoch wird weiterhin Content nachgereicht. Jedoch gibt es sowohl auf den Konsolenversionen, als auch auf der PC-Version einige exklusive Endgegner, die bisher leider den jeweiligen Plattformen vorbehalten werden. Die Itemvielfalt erweist sich als äußerst kreativ und obendrein sind viele Gegenstände clever miteinander verzahnt, wodurch auch unnötig erscheinende Objekte, wie Schlick- oder Matschblöcke, eine nützliche Funktion erhalten. Zudem ist Terraria mit einer Vielzahl an Popkulturreferenzen gefüllt. Das Spiel besitzt jede Menge Anleihen an bekannten Büchern, Filmen und Spielen. Besonders ersichtlich ist dies am Monsterdesign, da Re-Logic den sagenumwobenen Cthulhu-Mythos eingebaut hat, den der Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft, besser bekannt als H. P. Lovecraft, entwarf. H. P. Lovecraft gilt als einer der einflussreichsten und berühmtesten Horrorschriftstellern der Geschichte und wird oft als "der Meister des Horrors" bezeichnet. Weitere Easter Eggs sind die Monster der Sonnenfinsternis, die allesamt auf Figuren aus Horrorfilmen basieren, oder die wenigen Anlehnungen an Spielen wie The Legend of Zelda oder Portal. Lediglich die Inventarführung ist ziemlich unübersichtlich und chaotisch gestaltet, wo man durchaus mal eben den Überblick verlieren kann.
Wie bereits erwähnt, kommt Terraria in einem schönen 2D-Grafikstil daher, der sofort Retro-Charme versprüht. Es erinnert extrem stark an die zahlreichen Klassiker der 90er Jahre, mit der Ausnahme, dass das Ganze technisch bestens aufpoliert wurde. Die Hintergründe sind abwechslungsreich und sehen stilvoll aus, es existiert ein dynamischer Tag- und Nachtwechsel und es wurden zahlreiche Biome implementiert, die alle ihre eigenen Besonderheiten besitzen und nicht unterschiedlicher sein könnten. Desweiteren sind die technischen Mindestanforderungen so gering, dass sogar ein Toaster das Spiel zum Laufen bringen würde. Dennoch kann es sein, dass hin und wieder ein paar Performanceprobleme auftreten, die auch bei High-End PCs zustande kommen könnten. Hinzu kommt ein intensiver Klangteppich und der unglaublich liebevolle Soundtrack des Spiels, der zu jeder Sekunde präsent ist und je nach Situation im Hintergrund dudelt oder sich im Bosskampf richtig aufspielt. Die verwendeten Melodien machen insbesondere die Bosskämpfe um ein Vielfaches epischer und sorgen für eine großartige Atmosphäre, ohne nervig zu wirken. Dadurch kann es gut sein, dass Terraria nach einer Zeit eine gewisse Sogwirkung entwickelt. Denn sobald man dem Spiel eine faire Chance gibt, sich komplett mit all seinen Facetten zu entfalten, kommt der Spielspaß erst richtig zutragen und lässt einen die Zeit vollkommen vergessen. Bei mir kam es oft genug vor, wo wir uns vornahmen, noch kurz ein paar Erze zu holen, plötzlich einen gesamten Höhlenkomplex fanden, diesen erkundeten und das Spiel erst zig Stunden später ausmachten. In all der Zeit, die ich in dieses Spiel steckte, konnte ich nie daraus lernen, die überzogenen Sessions endlich zu beenden. Stattdessen gab ich mir immer wieder neue Aufgaben auf, die ich noch erfüllen wollte, bis ich schlussendlich nach Stunden das Spiel beendete. Und dies unterscheidet für mich ein Spiel, welches nicht nur sehr gut, sondern überragend ist.
Fazit
Terraria ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Für mich persönlich ist Terraria, genauso wie Age of Empires II, ein Spiel, zu dem ich eines Tages immer wieder zurückkehren werde. Es ist wie ein sicherer Hafen, der nie weit entfernt erscheint und ein Ankerpunkt ist, sobald sich andere Spiele als zu kurzweilig und irrelevant herausstellen. Die Rede ist von solchen Spielen, bei denen sich der Freundeskreis um neue Coop-/Multiplayer-Abenteuer unterhält, die anschließend gekauft und nach wenigen Stunden wieder weggelegt werden. Solchen Games, denen man nach dem Durchspielen keinen einzigen Gedanken mehr widmet und der Entschluss gefasst wird, wieder auf Altbewährtes zurückzugreifen. Dabei erreicht Terraria eine so unfassbare Tiefe, die heutzutage mehr als rar gesät ist. Terraria ist schlichtweg ein Meisterwerk!
Wertung: 10/10 Punkte
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